EntrĂĽmpeln

Vom Loswerden

Das Weggeben seines Besitzes und Gerümpels ist ein schrittweiser Prozess. Ich räumte meinen Kleiderschrank auf und mistete ihn recht radikal aus – wie ich damals meinte. Doch zwei Wochen später konnte ich noch einmal eine etwas geringere, aber dennoch stattliche Menge an Kleidern loswerden und dem Altkleidercontainer anvertrauen.

Man nimmt einen Gegenstand, den man noch zu benötigen glaubt, aus seinem Schrank, Büchergestell oder sonstwoher, ist sich beim Weggeben oder Entsorgen zunächst nicht sicher, ob man das Ding vielleicht nicht doch noch gebrauchen könnte – und trennt sich schliesslich unwiederbringlich davon. Eine Woche später kann man sich dann kaum noch daran erinnern, was man damals eigentlich alles weggegeben oder entsorgt hat. Man kommt doch ohne all diese Gegenstände aus, wodurch die Bereitschaft auf ein neuerliches Weggeben und Entsorgen gesteigert wird.

Wer radikal entrümpelt und den grössten Teil seines Besitzes auf einmal aufgibt, gelangt zwar schneller an sein Ziel eines Daseins ohne weltlichen Besitz, schiesst aber wahrscheinlich dabei über sein Ziel hinaus, weil ihm gewisse Gegenstände dann doch fehlen werden, und er sich diese neu anschaffen muss – und weil er dabei den geschilderten Lernprozess nicht miterlebt.

Das Entrümpeln ist eine harte emotionale, organisatorische und teilweise auch körperliche Arbeit. Aber man gewinnt dadurch viele Erkenntnisse – über sich selbst und die Welt – und ändert dabei seine Einstellung zu weltlichem Besitz und seinen Prioritäten. Wer an einem Wohnort oder an einer besonders geräumigen und gut eingerichteten Wohnung hängt, für den wird das Loswerden von Gegenständen Erleichterung bringen. Plötzlich merkt man, dass man gar nicht so viel Platz braucht, und dass eine Wohnungssuche mit dem darauffolgenden Umzug keine Katastrophe sein muss, sondern eine bewältigbare Arbeit.

Wer seinen ganzen Besitz in einen Lieferwagen bringt, muss sich nicht länger vor einem Umzug fürchten. Und wessen Besitz sich bequem in einer Zweizimmerwohnung unterbringen lässt, für den ist auch eine Einkommenseinbusse oder der Verlust des Arbeitsplatzes keine Katastrophe, sondern ein zwar unerfreulicher, aber dennoch bewältigbarer Einschnitt in seinen bisherigen Lebenswandel.